
Música en los Barrios - Nicaragua 2004
Kurs zur Fortbildung der "profesores" vom 2. - 22.1.2003
mit Flautando Köln (Susanne Hochscheid und Ursula Thelen) |
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Unser Wunsch vom letzten Jahr konnte erfreulicherweise umgesetzt werden, so dass wir unseren Nicaragua-Aufenthalt auf drei Wochen erweiterten. Trotz der zeitlichen Verlängerung war es wieder sehr schwierig alle anfallende Arbeit zu bewältigen und jedem mit seinen Problemen und Fragen gerecht zu werden. Aufgrund einer sehr guten Vorbereitung beider Seiten und einer phantastische Organisation von Tania Morales, haben wir gemeinsam auch in diesem Jahr sehr viel erreicht, Neues auf den Weg gebracht und viele Lösungsansätze für Probleme unterschiedlichster Art gefunden.
Wie im letzten Jahr konnten wir auch dieses Mal fast täglich eine Technikstunde abhalten. Meistens arbeiteten wir vormittags mit allen „profes“ und „profesoritos“ gemeinsam an verschiedenen technischen Schwierigkeiten. Dabei standen vor allem die Themen Daumentechnik, Vibrato und Mehrfachklänge im Mittelpunkt. Im Anschluss daran folgten etwa 1½ Stunden Probe mit dem „orcesta de MelB“ (bestehend aus den „profes“) an drei größeren Ensemblestücken. Eine döppelchörige Canzone von Gabrieli, ein Chaconne von Henry Purcell und „der Einzug der Königin von Saba“ von Händel konnten durch diese regelmäßige Probenarbeit intensiv erarbeitet und in den drei Konzerten am Kursende erfolgreich aufgeführt werden. Diese drei Stücke sind deshalb auch ein Programmvorschlag für das Jubiläumskonzert an 14. März 2004 im Teatro Rubén Darío.
Weiter konzentrierte sich unsere Arbeit auf die bestehenden Trios und Quartette, die das Jahr über sehr gut gearbeitet hatten, wodurch wir die vorbereiteten Werke noch differenzierter ausarbeiten konnten. Auch hier war ein großer Fortschritt im Zusammenspiel und in der Bühnenpräsenz bei den Konzerten zu verzeichnen.
Neben den Ensemblestunden erhielten alle „profes“ auch wieder Einzelunterricht. Die meisten bereiteten sich dabei auf bevorstehende Prüfungen vor. Außerdem konnten in diesem Rahmen individuelle Probleme, wie Atem- oder Zungentechnik bearbeitet werden.
In der letzten Kurswoche haben wir dann insgesamt 11 Prüfungen abgenommen. Sechs „profes“ versuchten, das Examen „nivel 5“ abzulegen, wobei drei vorbehaltlos und sehr gut bestanden. Drei von ihnen werden die noch zu verbessernden Prüfungsteile auf ein Video einspielen und uns in den nächsten Monaten zusenden. Das Examen „nivel 4“ wurde von zwei „profes“ erfolgreich abgeschlossen. Mit großer Freude haben wir drei „profesoritos“ in „nivel 3“ geprüft, die mit dieser bestandenen Prüfung den ersten Schritt erreicht haben, in den Kreis der „profes“ aufgenommen zu werden. Den theoretischen Prüfungsteil wird Urs Steiner im März abnehmen. Im kommenden Jahr werden wir dann abschließend noch eine Lehrprobe ansehen und bis dahin soll jeder der drei „profesoritos“ regelmäßig im Unterricht einiger ausgewählter „profes“ hospitieren, um die eigenen didaktischen Fähigkeiten zu verbessern. Außerdem bilden die drei „profesoritos“ jetzt ein Trio, das regelmäßig proben soll, wobei sie einmal im Monat von Israel Huerta betreut werden.
Ein weiteres neues Ensemble gibt es durch die Aufteilung des Ensembles der Schüler aus den „barrios“ in das „ensemble mayor“ (Fortgeschrittene) und „ensemble junior“ (fortgeschrittene Anfänger). Für diese beiden Ensembles blieb in diesem Jahr leider nicht viel Zeit. Wir konnten sie nur insofern betreuen, als dass wir jeweils eine Probe besuchten, die von den jeweiligen Ensembleleitern abgehalten wurde. Wir hoffen, dass wir in diesem Bereich das nächste mal etwas mehr Zeit investieren können.
Wie nach dem letzten Aufenthalt angekündigt, haben wir in diesem Jahr ein größeres Augenmerk auf die Unterrichtsdidaktik gelegt und sind deshalb wieder mit den einzelnen „profes“ in die verschiedenen „barrios“ gefahren. So hatten wir die Möglichkeit den Unterricht vor Ort direkt zu beobachten und zu beurteilen. Dabei musste jeder „profe“ eine Lehrprobe in der Vorbereitung schriftlich ausarbeiten. Die Unterrichtsstunde wurde von uns anschließend mündlich und später noch schriftlich kommentiert. Dadurch konnten wir konkrete Verbesserungsvorschläge machen, die gerne aufgenommen wurden.
Auch wenn die Fahrt in die teilweise entlegenen „barrios“ sehr zeitaufwendig ist, stellt sie dennoch einen großen Nutzen dar, da wir eine stetige Verbesserung in der Unterrichtsmethodik feststellen können.
Das von uns vor einigen Jahren zusammengestellte Lehrmaterial findet eine immer bessere Anwendung. Mittlerweile gibt es allerdings einige Verbesserungsvorschläge, die im Laufe des Jahres aufgenommen und umgesetzt werden sollen. Dafür haben wir verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, die sich jeweils mit einem „nivel“ beschäftigen und eventuell Veränderungen vornehmen werden.
Wie gewohnt wurden die musikalischen Ergebnisse der Kursarbeit wieder in drei Konzerten vorgestellt. Die „profes“ präsentierten sich mit einem abwechslungsreichen Programm in der Casa de los tres mundos in Granada. Dabei wuchsen sie teilweise über sich hinaus und bescherten so dem großen Publikum ein Konzert auf hohem Niveau. Die hohe Besucherzahl bei diesem Konzert war sowohl auf die starke Präsenz durch die Medien, als auch auf den Bekanntheitsgrad, den das Projekt MelB mittlerweile auch in Granada genießt, zurückzuführen.
Generell ist seit der Integration des Projekts „MelB“ in den Verein „pan y arte“ die gute Zusammenarbeit mit der Casa de los tres mundos hervorzuheben. Das zeigt sich beispielsweise in der Kooperation mit den Blechbläsern des Ensembles „Embrassy“, die auch einmal im Jahr in Nicaragua unterrichten. Dieses Jahr gab es sogar die Möglichkeit die Musiker von „Embrassy“ für ein Konzert in Managua zu gewinnen, während wir in den Vorjahren bereits gemeinsam in Granada auf der Bühne standen.
Auch in der Biblioteca Aleman-Nicaragüense wurden wir mit unseren Schülern von viele Freunden und Fans erwartet. Das durch einige „grupos“ aus dem „coro“ erweiterte Programm wurde ebenfalls mit großem musikalischen Können dargeboten.
Das letzte Konzert in dieser Reihe, das Abschlusskonzert im Centro Cultural de Batahola Norte, war leider nicht so zahlreich besucht, aber dennoch ein großer Erfolg.
Am Tag vor dem Abschlusskonzert machten wir noch einen Ausflug mit allen „profes“ und „profesoritos“ an den Pazifik nach Pochomil. Nach der intensiven und arbeitsreichen Kurszeit war dies eine angenehme und verdiente Erholung, welche darüber hinaus einen sehr positiven Effekt auf den Gruppenzusammenhalt hatte.
Im letzten Jahr bemerkten wir schon einen enorm großen Fortschritt in Bezug auf Musikalität, Technik, Didaktik, Organisation und Gesprächsbereitschaft. Dieses Jahr durften wir erfreut feststellen, dass eine weitere Steigerung dessen noch möglich ist. Das Projekt wird „erwachsen“, die „profes“ verantwortungsbewusster, selbständiger und offener im Gespräch.
Wir freuen uns und sind gespannt auf die weitere Entwicklung.
