Javier unterrichtet im Freien!


Ursula und Susanne mit Elisabeth Zils,
Leiterin der biblioteca aleman-nicaraguense
und ihrer Mitarbeiterin Teresa


Katharina und Kerstin mit Paola und Reyna



Música en los Barrios - Nicaragua 2003

Kurs vom 3.-15.1.2003 mit Flautando Köln
(Susanne Hochscheid und Ursula Thelen)
Fortbildung der profesores von "musica en los barrios"

Auch in diesem Jahr wurden wir wieder von allen Seiten herzlich aufgenommen. Wir verbrachten eine schöne und erfolgreiche Zeit. Die Arbeit, die auf uns zukam, war in den kurzen zwei Wochen kaum zu bewerkstelligen. Doch dank der guten Vorbereitung der profesores und der guten Organisation durch Tania Morales haben wir gemeinsam viel geleistet und Neues auf den Weg gebracht. Wir spürten, dass unsere langjährige Arbeit nun Früchte trägt und auch die stetige Arbeit von Urs Steiner alle nachhaltig prägt.

Der Fortschritt gegenüber dem letzten Jahr war noch nie so groß wie dieses Mal.

Dies zeigte sich bereits in der ersten Versammlung, in der der Kursablauf besprochen wurde und wir auch schon einige vorbereiteten Stücke hörten.

Das neue Lehrmaterial das wir letztes Jahr zusammenstellten und einführten wurde gut aufgenommen und eingesetzt. Alle sind sehr dankbar dafür. Die Anwendung muß allerdings noch teilweise verbessert werden, damit die Schüler schneller lernen und vor allem das lernen, worauf es uns in dieser Methode ankommt, nämlich vor allem das ausdrucksstarke Spiel mit einer großen Flexibilität in Klang und in Artikulation.

Sehr hilfreich waren in diesem Zusammenhang Videoaufzeichnungen von Unterrichtssituationen von fast allen Profesores, die wir gemeinsam mit den jeweiligen profes anschauten und analysierten. Dadurch konnten wir individuell schnell Tipps und Verbesserungen weitergeben. Insgesamt fiel uns auf, dass der alte Unterrichtsstil noch zu stark präsent ist. So sollte beispielsweise nicht jedes neue Stück vorher mit jedem einzelnen Schüler gesungen und dirigiert werden. Mit kleinen Ausnahmen wird aber generell gut unterrichtet, wobei man nicht die teilweise erschwerten Unterrichtsbedingungen vergessen darf, die unsereins vermutlich in kurzer Zeit in den Wahnsinn treiben würden. Bei unserem nächsten Besuch werden wir wieder die einzelnen Barrios besuchen um direkt vor Ort den Unterricht zu beobachten.

Der Kurs fand wie immer in den Räumlichkeiten des centro cultural de Batahola statt. Nach dem Tod des Gründers und langjährigen Leiters Padre Angel übernahm dessen Neffe Gabriel die Leitung. Die Zusammenarbeit zwischen "musica en los Barrios" und dem centro funktioniert weiterhin sehr gut. Neu war in diesem Jahr, dass jeder profe auf unsere Anregung hin ein kleines Ensemble betreute, das sich jeweils aus jungen Flötenspielern des coro des centros zusammensetzte. Die ausgesuchten Stücke waren sehr gut vorbereitet und wir waren jeweils einmal dabei während der profe sein Ensemble unterrichtete. Dabei konnten wir noch didaktische Hilfestellungen geben und gleichzeitig die Stücke konzertreif "aufpolieren". In den Konzerten in der biblioteca und im centro durften die kleinen Flötisten dann ihr Können unter Beweis stellen und wir entdeckten dabei einige Talente.

Wir wohnten jeweils einer Probe des Ensembles (fortgeschrittene Schüler der Barrios), sowie des "orquesta de profes" bei. Daurch konnten wir auf die Probentechnik eingehen, die noch zu wenig detailliert und gründlich ist. Vor allem werden Stücke im ganzen mehrmals durchgespielt und schwierige Stellen nicht herausgenommen oder mit einzelnen Stimmen gearbeitet. Das setzt natürlich voraus, dass der jeweilige Ensembleleiter die Probe gut vorbereitet hat und sich mit dem Stück auseinandergesetzt hat.Wir gaben auch Hinweise zu Literaturauswahl, die dem Könnensstand der Schüler angepasst sein sollte. Die individuellen technischen Fähigkeiten der Mitspieler sollten auch bei der Verteilung der Stimmen mehr berücksichtigt werden.

Seit 2002 gibt es ein gestaffeltes Bezahlungssystem, nach dem die profes für ihren geleisteten Unterricht entlohnt werden. Grundvorrausetzung für die Arbeit bei Musica en los Barrios ist das Ablegen der Prüfung für die Niveles 1-3. Darüber hinaus gibt es höhere Vergütung bei Erreichen von Nivel 4 oder 5.

Die Einführung der Examina der verschiedenen Niveles zeigt sich als äußerst positiv. Es hilft, die Struktur und das Ziel des ganzen Projektes zu formen und zu festigen. Der Ehrgeiz, ein weiteres Nivel zu erreichen, führte dazu, dass diejenigen, die die Prüfung im letzten Jahr nicht, oder nur unter Vorbehalt bestanden hatten, sich im vergangenen Jahr intensiv fortbildeten. Teilweise halfen sie sich dabei gegenseitig. Das höchste Nivel 5 hat bisher allerdings noch niemand erreicht, wird aber wohl von einigen im nächsten Jahr abgelegt werden.

In diesem Jahr gab es drei Versuche, die jedoch noch in allen Bereichen zu große Mängel aufwiesen.

Darüberhinaus gab es vier Prüfungen der sogenannten "profesoritos". (Fortgeschrittene Schüler aus den Barrios, die schon selber unentgeltlich eine oder zwei Gruppen unterrichten.) Diese vier versuchten sich am Basisexamen 1-3 das aus verschiedenen Stücken aus der Methode und einer Lehrprobe besteht. Bis auf eine hat dieses Examen jedoch keiner bestanden. Alle wollen es im nächsten Jahr aber erneut versuchen. Bis dahin werden sie zusätzlich von den profes noch besser in das neue Unterrichtsmaterial eingewiesen.

Im Bereich der Kammermusik gibt es jetzt zwei Trios und zwei Quartette die kontinuierlich weiterarbeiten, und bei denen schon dieses Mal große Fortschritte zu verbuchen waren.

Die "clases individuales" fanden hauptsächlich zur Vorbereitung auf die verschieden Examina statt. Wir hoffen, dass im nächsten Jahr etwas mehr Zeit bleibt, um im Einzelunterricht noch detaillierter am flötistischen Weiterkommen zu arbeiten. Vorbereitend dazu haben wir für jeden eine kurze Übersicht erstellt, aus der hervorgeht, woran sie jeweils in erster Linie arbeiten müssen.

An jedem Abend fand eine gemeinsame "clase de tecnica" statt, in der wir gemeinsam mit allen profesores an verschiedenen Bereichen der Blockflötentechnik arbeiteten. Die einzelnen Übungen werden den profes demnächst noch in schriftlicher Form zugehen, so dass sie auch daran weiterarbeiten können und sie auch z.T. in ihrem eigenen Unterricht einsetzen können.

Wie in jedem Jahr war das Interesse der örtlichen Medien an unserem Besuch sehr groß. Musica en los arrios hält stetigen Kontakt zu diesen Medien, die auch übers Jahr immer wieder über die Arbeit des Projektes berichten. Wir waren bei zwei verschiedenen Fernsehsendern zu Gast und in "La Prensa" erschien neben den Konzertankündigungen auch noch ein ausführlicher Artikel.

Die Ergebnisse der vorangegangenen und die der Kursarbeit wurde in insgesamt drei Konzerten vorgestellt. In Granada in der "casa de los tres mundos" boten die profes ein Konzert von hoher Qualität und großer Abwechslung. Dieses Konzert war erfreulich gut besucht und das Publikum belohnte uns mit "standing-ovations"

In der biblioteca aleman-nicaraguense im Barrio "La Brisa" kamen die Ensembles der Nachwuchsflötisten des coro hinzu. Ebenso im Konzert was am 14.1. als Abschlußkonzert im centro cultural de Batahola dargeboten wurde. Dies war eine zusätzliche Bereicherung da es dort, wie schon erwähnt, einige neue Talente zu bewundern gab.

Neben der ganzen Arbeit gab es dann auch zwei Momente der Erholung. Die profes luden wir zu einer Tagestour auf den Vulkan Mombacho ein, was sehr gelungen war und alle sehr froh stimmte.

Nach dem Concierto im Centro gab es dann noch in der casa von Dona Cony eine kleine fiesta, die dem ganzen einen schönen Abschluß verlieh.

Wir blicken gerne auf die wunderbare und arbeitsreiche Zeit zurück und wünschen uns für das kommende Jahr "a lo menos" eine Woche mehr! Dies wurde auch in der abschließenden Versammlung von allen deutlich zum Ausdruck gebracht. Im August erwarten wir ein Video der profes vom "Stand der Dinge" , in dem sie verschiedene Kammermusikstücke und technische Übungen spielen werden. Dadurch haben wir und sie eine kleine Zwischenstation, die die lange zeitliche Distanz bis zu unserem nächsten Besuch überbrückt. Hasta pronto Nicaragua, nos vemos!